Jungentypen
Nesthocker-Nestflüchter-Tragling
Aktualisiert (Montag, den 24. Mai 2010 um 20:16 Uhr) Geschrieben von: Administrator Dienstag, den 13. April 2010 um 20:41 Uhr
In der Verhaltensbiologie unterscheidet man drei Jungentypen. Der Nesthocker, der Nestflüchter und der Tragling. Den Begriff "Trageling" führte der Biologe Professor Bernhard Hassenstein 1970 ein.
Es handelt sich da um die Anpassung an die Lebens- und Betreuungsituation der verschiedenen Tierarten, einschliesslich des Menschen.
Die Namen Nesthocker, Nestflüchter und Tragling sind sozusagen Kurzformeln für die jeweiligen Bedürfnisse und Anpassungen des Nachwuchses an ihre unterschiedlichen Lebensbedingungen und den Eigenschaften und Bedürfnisse als Neugeborenes.
Die Verhaltensdispositionen, unsere Stammesgeschichte als Sammler, Jäger und Nomaden und Vergleiche mit unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, sprechen dafür, dass das menschliche Neugeborene zum biologischen Jungentypus des Traglings zählt.
Alle Traglinge sind an das ständige Mitgenommenwerden angepasst und darauf angewiesen. Denn legten unsere Vorfahren ihr Baby auf den Boden, kam schnell ein Wild- oder Raubtier und das Kleine war weg.
Aus diesem Grund schreien auch unsere heutigen Säuglinge immer, wenn wir sie ablegen. So gehen sie nicht vergessen.
Beteiligen sich die Jungen nicht am Tragen, Spricht man von passiven Traglingen. Wie bei den Kängurujungen, die ihre erste Lebenszeit geschützt im Beutel der Mutter verbringen.
Halten sich die Jungen dagegen selbst an der Mutter fest, spricht man von aktiven Traglingen. Hierzu zählen die Nachkommen der verschiedenen Affenarten und natürlich die Menschenaffen. In der ersten Zeit klammern sich die Jungen mit Händen und Füssen ans Bauchfell der Mutter während sie später oft den Reitsitz bevorzugen.
Durch die Evolution haben wir unser Fell verloren. Dadurch kann sich ein menschlicher Säugling nicht aktiv mit Händen und Füssen am Körper anklammern. Ausserdem haben wir zusätzlich auch noch „Lauffüsse“, deren Greiffähigkeit kein sicheres Anklammern mehr erlaubt.
Damit wir aber dem Baby den angeborenen Tragewunsch erfüllen können, behelfen wir uns dem Tragetuch oder einer Tragehilfe.


