So entdeckte ich das Tragen
So kam ich zum Tragen
Aktualisiert (Montag, den 19. Juli 2010 um 13:57 Uhr) Geschrieben von: Administrator Donnerstag, den 08. April 2010 um 14:55 Uhr
So kam ich zum Tragen
Zum Tragen bin ich erst so richtig mit meiner Tochter im Sommer 2007 gekommen.
Bei meinem Sohn hatte ich einen Babybjörn und ein billiges Tragetuch.
Im Babybjörn fühlte er sich zum teil wohl. Aber wenn man genau hinhörte, war ich unsicher. Dass es nicht optimal und unbequem für ihn und mich ist, merkte ich dann schon. Ich dachte aber, dass es so sein muss.
Als er dann grösser und schwerer wurde, so mit 10 Wochen, habe ich aufgehört mit dem Babybjörn zu tragen. Ich hatte Rückenschmerzen und er weinte nur noch während er in der Trage getragen wurde.
Mit dem Tragetuch kam ich nie zurecht. Denn mit einer schlechten Stoffqualität und einer unbrauchbaren Bindeanleitung, kann man einfach nicht gut und bequem binden.
Eine Trageberatung besuchte ich nicht, denn ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Gegooglt habe ich danach natürlich auch nicht, weil ich nicht wusste, nach was ich suchen soll.
Der Babybjörn und Tragetuch wurden nach nur drei Monaten zur Seite gelegt und vergessen. So dachte ich auch, dass mein Sohn nicht so der Tragling ist. Ich wusste da noch nicht so viel, wie jetzt und würde einiges anders machen. Denn jetzt weiss ich, woran es lag...
Bei meiner Tochter war das anders:
Sie weinte sehr viel, schlief sehr schlecht, wollte nie alleine sein.... Sie wollte nur getragen werden!
Und ich hatte ja noch ein anderes Kind, welches Bedürfnisse hatte. Geschweige denn der Haushalt, mein Mann und ich.
Im Babybjörn ihres grossen Bruders fühlte sich die Kleine nicht wohl. Sie schrie aus Leibeskräften. Denn ihr war die Enge unangenehm.
Mit dem Tragetuch ging es noch viel schlechter. Denn Schreikinder, und als ein solches würde ich meine Tochter heute bezeichnen, haben die Geduld einfach nicht, bis die Mama oder der Papa fertig gebunden hat. Und ich als Mutter fühlte mich schnell überfordert, weil das Kind mich aus der Ruhe brachte. Es ist so anstrengend, wenn man alles versucht, das Kind zu beruhigen, aber es geht einfach nicht. Manchmal war ich so fertig mit den Nerven, dass ich am liebsten aufgegeben hätte. Aber es muss doch eine Lösung geben...
Zugeben, dass ich mit meinem Kind überfordert bin, wollte ich nicht. Ich wollte es nicht wahrhaben und habe leider etwas zu spät gehandelt. Es wäre viel besser gewesen, wenn ich früher im Internet nach Hilfe gesucht hätte. Denn die endlosen Ratschläge von Verwandten, die Besserwisserei von Bekannten, das konnte ich damals nicht mehr hören. Und nachdem mir auch der Kinderarzt sagte, dass mit meiner Tochter alles in Ordnung sei, zweifelte ich an mir selber...
Ich erkundigte mich im Internet und kam so zu meinem ersten "richtigen" Tragetuch. Ein gebrauchtes Didymos mit einer brauchbaren Bindeanleitung.
Leider klappte mit meiner Tochter nur die Doppelkreuztrage, weil die mir am schnellsten gelang. Ausserdem hatte sie eine Blockade, was ich damals natürlich auch nicht wusste, was ihre Abneigung gegen die Enge am Hals erklärte.
Als ich meine Kleine dann auf dem Rücken band, so mit fünf Monaten, fühlte ich mich das erste Mal wieder richtig frei oder befreit. Klingt etwas hart, aber es tat mir und auch meiner Tochter so gut. Wir spürten einander, ich war für sie da. Aber ich konnte wieder ich sein und meinen Interessen wieder nachgehen. Was unserer Beziehung sehr gut tat, weil wir uns dann wieder ertragen konnten.
Die Kleine wird seit ihrem 4. Monat regelmässig und immer noch getragen und ist seither ruhiger, gelassener und einfach glücklicher. Ich geniesse es immer noch, wenn ich sie im Zoo oder in einem Museum tragen darf, damit sie auch alles miterleben kann.



